Eröffnung im Terrassensaal

Freitag, 07. August, 18 - 22 Uhr

 

Ausstellungsdauer:

08.08. - 27.09.2015

 

Haus der Kunst, Westflügel

 

Öffnungszeiten: täglich 10 - 20 Uhr,

jeden Donnerstag bis 22 Uhr

 

 

Plan B wie Biennale

 

Die Biennale der Künstler im Haus der Kunst München findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt.

Die Ausstellungsleitung der Großen Kunstausstellung, die von den drei Gruppierungen – Münchener Secession, Neue Münchner Künstlergenossenschaft und Neue Gruppe - im Jahr 1948 gegründet wurde, hat mehr als 60 Jahre lang die Großen Kunstausstellungen im Haus der Kunst München veranstaltet. Sie hat sich nach dem Paradigmenwechsel - die Ausstellung findet seit dem Jahr 2013 alle zwei Jahre als Biennale der Künstler mit einem neuen Konzept statt - neu aufgestellt und heißt seit dem Jahr 2014 Künstlerverbund im Haus der Kunst München.

 

Dem Künstlerverbund im Haus der Kunst München gehören nun fünfzig Mitglieder an, die nicht nur aus den drei Künstlervereinigungen kommen. Die Öffnung bewirkte, dass sich das Erscheinungsbild der Ausstellungen grundlegend verändert hat.

Was von den Mitgliedern der drei Künstlervereinigungen, zunächst als Untergang betrachtet wurde und z.T. vermutlich immer noch betrachtet wird, erwies sich für die Künstlerschaft als ein Glücksfall.

 

Die Teilnahme an der Biennale der Künstler im Haus der Kunst München ist nur auf Einladung durch das Biennale Kuratorium möglich. Öffentliche Ausschreibung erfolgt nicht.

Da dem Künstlerverbund ausschließlich Bildende Künstlerinnen und Künstler als ordentliche Mitglieder angehören und diese das Biennale Kuratorium bilden, werden die Ausstellungen weiterhin autonom von Künstlerinnen und Künstlern veranstaltet, organisiert und kuratiert. Ein Privileg, das seit 1949 im Haus der Kunst München gilt und das erhalten bleiben muss.

 

Die diesjährige Biennale Ausstellung findet ab 08. August bis 27. September erneut im gesamten Westflügel des Haus der Kunst München unter dem Motto Geheimnisse und Botschaften statt. An der Ausstellung nehmen circa vierzig Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland teil. Besonderes Gewicht wird in diesem Jahr auf die Kunst aus der Tschechischen Republik gelegt.

 

Die Schirmherrschaft hat der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer übernommen.

 

Pavel Zelechovsky, Präsident KV im HdK München, Juni 2015

 

 

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler:

 

Maximilian Bayer, Kurt Benning, Burkard Blümlein, Heiner Blum, Monika Brandmeier, Albert Coers, Jiří David, Lucia Dellefant, Christoph Fikenscher, Sandra Filic, Ossi Fink, Felicitas Gerstner, Helga Griffiths, Rita Hensen, Fabian Hesse, Krištof Kintera, Maud Kotasová, Markus Krug, Eva Lammers, Albert Lohr, Edgar Lorenz, Patricia London Ante Paris, Michael Lukas, Herbert Nauderer, Maria & Neda Ploskow, Olaf Probst, Reality (Milan Salák, Jiří David, Jan Kadlec), Berthold Reiss, Eva Ruhland, Pavel Schmidt, Vladimír Skrepl, Wolfgang Stehle, Veronika Veit, Henk Wijnen, Georg Winter u. a.

 

 

 

In einer zunehmend globalisierten Welt, deren einzige Kontinuität in der unablässigen Verflechtung von Diskontinuitäten steht, haben verbindliche Systeme und Zeichen, Symbole und Allegorien längst ihren Gehalt als gesellschaftliche Übereinkunft eingebüßt.

 

Im Bewusstsein der verloren gegangenen Verbindlichkeiten generieren zeitgenössische Künstler in ihren Werken subjektive Codes und geheimnisvolle Chiffren, deren Lesarten vieldeutig und kontextbezogen sind, doch keinesfalls hermetisch.

 

Die Antwort auf die populäre Frage “Was will uns der Künstler mit seinem Werk sagen?” kann allein in der Sprache der Kunst erfolgen. Die Künstler selbst mögen dazu allenfalls Indizien anführen und gegebenenfalls neue Kunsttheoreme oder Kuratorenkonzepte füttern, sofern sich diese nicht längst verselbständigt haben.

 

Denn Kunstwerke sind nicht dazu gedacht, Lösungen zu bieten oder Fragen zu beantworten, sondern vielmehr dazu, existentielle, gesellschaftliche und philosophische Phänomene zu hinterfragen und zu transzendieren.

 

Es sind keine simplen Nachrichten, die auf einer minimalen gemeinsamen Schnittmenge der Verständigung von Sender und Empfänger beruhen, sondern offene komplexe Botschaften.

 

"… Kunstwerke sind Botschaften. Und da alle Botschafter Engel sind – durchaus Engelswerke. Doch ohne göttlichen Absender und gläubigen Adressaten werden die Engel zu Idioten, die ihre Botschaften im Nichts tragen. Dieses Schicksal teilen wir alle miteinander. Künstler ganz besonders. Sie verharren immer an der Schwelle zwischen Nicht-wissen-von-wem-losgeschickt und an wen abgesandt, zwischen Misstrauen und Vertrauen, Zögern und Wollen, Erinnern und Begehren. Dieser Zustand bringt sie in eine Lage, wo nichts mehr aus sich selbst heraus gesichert ist und wo das Verstehen immer um ein "Ja" der Zustimmung bitten muss, damit die Gabe der Botschaft offene Augen und Ohren erreicht. Das Missverständnis ist dabei positiv immer miteingerechnet…"¹

 

Ob individuelle Mythologien, epistemologische Metaphern, verstrickende Geheimnisse, rätselhafte Botschaften, verblüffende Perspektiven, Paradoxa, Verstörungen, Entlarvungen, Transformationen, Dekonstruktionen oder Atopien – das Angebot an Entdeckungen und Erkenntnissen ist bei konzentrierter Betrachtung überwältigend.

 

Nicht alles muss dabei begreifbar und schon gar nicht benennbar sein, denn Künstler erfinden per se etwas, was niemand zu brauchen scheint. Aber gerade diese Nischen brauchen wir am meisten in unserer Definition des Menschseins.

 

Entsprechend der Offenheit der Kunstwerke erfolgt unsere offene Einladung des Publikums mit den Worten:

 

 „Jawohl, nehmt, was ihr wollt! (…) Macht Rhizome, und keine Wurzeln! Seid nicht eins oder viele, seid Vielheiten! Lasst euch keinen General entstehen! Macht Karten, keine Fotos oder Zeichnungen! Seid der rosarote Panther! Und mögen eure Lieben sein wie die Wespe und die Orchidee, wie die Katze und der Pavian!“²

 

Eva Ruhland, Oktober 2014

 

 

¹ Auszug aus dem Text von Michael Hofstetter zu Pavel Zele©hovskys Intervention im Dachauer Wasserturm  „Feuer im Wasserturm“, 9.11.2009

² Gilles Deleuze, Félix Guattari, Rhizom

 

 

 

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