Ausstellungsleitung der Großen Kunstausstellung

im Haus der Kunst München e.V.

7 Tage Ausstellung mit Veranstaltungen & Auktion

Konzept creatio continua

Ausstellung, Aktion/Auktion

 

Mit dem lateinischen Begriff der „fortgesetzten Schöpfung“* – creatio continua – stellt die Ausstellungsleitung der GKA im Haus der Kunst München ein Konzept vor, das den prozesshaften Zusammenfall von Schaffen und Erhalten impliziert. Das Thema der sieben Tage währenden, konzentrierten und komprimierten Ausstellung erschließt sich in mannigfaltiger Weise:

 

1. Die Schöpfungsgeschichte (Genesis 1,1-2,4a) des Christentums bildet die grundlegende Basis und den Leitfaden der ausgestellten sieben Themenkomplexe:

 

1. Tag: Das Licht – Tag und Nacht

2. Tag: Das Himmelsgewölbe

3. Tag: Land und Meer, Pflanzen

4. Tag: Sonne, Mond und Sterne

5. Tag: Die Vögel des Himmels, die Lebewesen des Meeres

6. Tag: Alle Tiere des Landes, der Mensch

7. Tag: Die Ruhe und – ein Ausblick auf einen 8. Tag

 

2. Der künstlerische Schaffensprozess steht im Zentrum der Auseinandersetzung – und damit der Künstler als Schöpfer eigener Welten oder zumindest Aspekten von Welt. Bereits in Albrecht Dürers programmatischem „Selbstbildnis im Pelzrock“** aus dem Jahr 1500 ist der explizite Verweis auf die immanente Beziehung von Geist und Hand des Künstlers virulent, ebenso wie die übersetzte Inschrift „"So schuf ich, Albrecht Dürer aus Nürnberg, mich selbst mit charakteristischen Farben im Alter von 28 Jahren." Mit dem Schaffensprozess verbunden ist auch das ursprüngliche Streben des Menschen nach unverwechselbarer Identität und danach, Spuren seines Lebens zu hinterlassen, die über Andy Warhols berühmte „fünfzehn Minuten ein Star sein“ hinausgehen.

 

Von der Vielfalt und Dynamik der Welterzeugung und der Faktizität einer ästhetischen Richtigkeit in der Kunst spricht der Philosoph Nelson Goodman***. Mit dem Aspekt, dass es ästhetische und faktische Wahrheiten gibt, die einander widersprechen, wird die grundlegende Frage nach Wahrheit oder Falschheit aufgeworfen. Die Antwort, dass verschiedene Versionen in verschiedenen Welten wahr sein können – etwa eine evolutionstheoretische und eine religiöse Maßgabe zur Entstehung der Welt – führt uns zum zentralen Thema der Ausstellung.

 

 

3. Die ausgestellten Werke der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler gruppieren sich in sieben konzentrierten Raumsituationen mit vielschichtigen Aspekten auf die vorgestellten Themenkomplexe. Augenscheinlich wird das faszinierende Maß der mimetischen, an der Natur angelehnten Werke sowie die genuine Konzeption als schöpferische „Poiesis“. Eingeladen werden sowohl Gäste wie auch Mitglieder der drei Künstlergruppierungen der vormaligen GKA/des Künstlerverbunds (Münchener Secession, Neue Gruppe und Neue Münchner Künstlergenossenschaft). Wie aktuell und zeitgemäß der Umgang mit den „Klassikern“ der Schöpfungsgeschichte sein kann, formuliert sich in der Vielfalt der künstlerischen Ansätze sowie der eingesetzten tradierten und neuen Medien und Installationen, in die aktuelle philosophische, wissenschaftliche und (kultur)politische Ansätze mit einfließen:

 

So könnten wir unter anderem erfahren, wie der Raum sukzessive durch Licht entsteht, warum ein Bildnis des Menschen aus DNA besteht, was Landkarten mit der Geografie der Liebe zu tun haben, warum Vögel eigene Kartografien erzeugen und wie ein Planet zum utopischem Paradies oder zur klimawandelnden Hölle geraten kann.

 

An jedem Tag der einwöchigen Ausstellung finden verschiedene Veranstaltungen statt – Performance oder Aktion, Film- und Video, musikalische Darbietung oder Lesung, die sich explizit auf den jeweils aktuellen Themenkomplex beziehen.

 

4. Auktion: Der Ausverkauf der Schöpfung findet am Ende der Ausstellung statt – am siebten Tag.

 

Die Versteigerung der ausgestellten Werke wird von einem professionellen Auktionator durchgeführt. Der mit der ersten Biennale der Künstler gesetzte Maßstab eines hohen künstlerischen Niveaus der Werke soll auch in der gesamten Werkschau des Jahres 2014 eingelöst werden.

 

creatio continua ist die erste Veranstaltung der Ausstellungsleitung der GKA, die gemäß der getroffenen Absprachen mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie mit der Stiftung Haus der Kunst München, gemeinnützige Betriebsgesellschaft mbH, in den Jahren zwischen den Biennalen der Künstler, also ebenfalls im Zweijahresturnus, im Haus der Kunst stattfinden wird.

 

*      (lat.: „fortgesetzte Schöpfung“) Augustinus von Hippo/Thomas von Aquin, Summa contra gentiles III, 6

**    Alte Pinakothek München

***  Goodman, Nelson: ways of worldmaking (Weisen der Welterzeugung), 1978/1984