1. Biennale der Künstler

 im Haus der Kunst München 2013

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Konzept der Ausstellung Vanity Flair - Luxus und Vergänglichkeit *

 

Im Spannungsfeld der Begriffe „Luxus“ und „Vergänglichkeit“ stehen die Werke zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler der ersten Biennale im Haus der Kunst München. In der Vielschichtigkeit und Ambivalenz des genannten Begriffspaars manifestiert sich das Thema der Ausstellung „VANITY FLAIR“ auf verschiedenen Ebenen.

 

Einen Ausgangspunkt bildet die Frage, inwieweit eine von Künstlern kuratierte und organisierte Ausstellung selbst bereits luxuriösen und nicht permanenten Gegebenheiten unterliegt. So ist es aus Sicht der Künstler keineswegs Luxus als vielmehr Notwendigkeit, in einem möglichst autonomen Raum der Selbstbestimmtheit zu agieren und sich zu formulieren – abseits der Bedingtheiten des Markts und dem Wert als potenziellen „global player“. Der zeitlichen Begrenzung und damit Vergänglichkeit wird die Nachhaltigkeit der künstlerischen Statements entgegengesetzt.

 

Wenn sich aber nun der Gehalt der ausgestellten Werke selbst mit Aspekten von Luxus und Vergänglichkeit beschäftigt, beginnt sich ein weites dialogisches und interaktives Feld zu öffnen:

Es reicht von der künstlerischen Selbsthinterfragung  über klassische Paradigmen von Philosophie und Kunstgeschichte bis hin zu den gesellschaftlichen und sozialen Konsequenzen des vergänglichen Exklusiven.

 

- So treffen in Hinblick auf die hinterfragten Produktions- und Rezeptionsbedingungen zeitgenössischer Kunst beide Begriffe aufeinander. Während die Ausformulierung des Werks für seinen Urheber die Möglichkeit des Transzendierens und damit eine existenzielle Positionierung im Wissen um den Verlust systemischer Verbindlichkeiten bedeutet, unterliegt die Rezeption des Werks oft den kurzfristigen Margen von Marktwert und Freizeitkonsum.

 

- Der „permanenten Krise“ des Seins in seiner zeitlichen Begrenztheit entsprechen die klassischen (kunsthistorischen) Topoi: Luxuria oder Voluptas zählt zu den sieben Todsünden in der christlichen Religion und findet sich in diversen Allegorien dargestellt. In barocken Vanitas-Stillleben vereinen sich Prunk und Memento Mori- Symbole. Die Allgegenwart von Vergänglichkeit und Tod im Überfluss des Lebens kommt in der aktuellen Ausstellung – einhergehend mit dem Thema –  oft bereits im verwendeten künstlerischen Material der Werke zum Ausdruck.

 

- Vom Tod her gedacht beinhaltet das gesellschaftliche und soziale Leben mannigfaltige Aspekte von Vergänglichkeit und Luxus, die vom materiellen Reichtum bis hin zu immateriellen Werten wie Zeit, Raum und Transzendenz reichen. Da sich jedoch in der Gegenwart die hochentwickelten kapitalistischen Gesellschaften immer weniger allein durch Konsumgüter und Technologien vertreten lassen können, kommt Lebenswerten wie Entschleunigung, Nichterreichbarkeit oder auch Stille eine neue Bedeutung als Luxus zu.

 

Aus dem dialogischen Zusammenspiel der in der Ausstellung gezeigten Werke entsteht ein lebendiges mannigfaltiges Spektrum. Gezeigt werden Installationen, Lichtarbeiten, Objekte, Grafik, Malerei, Skulptur sowie Fotografien und Videos. Performances, Lesungen und Klangensembles ergänzen die Ausstellung mit einem gehaltvollen Beiprogramm an Veranstaltungen.

 

 

* Titel:

 

a) Vanitas= lat. „leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit“; auch „Lüge, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit“

 

b) Vanity fair: „Jahrmarkt der Eitelkeit“ ist der Name eines Handlungsortes in John Bunyans „Allegorie The Pilgrim's Progress“ (1678). Das Buch schildert in zwei Teilen (I 1678, II 1684) allegorisch eine Reise ins Jenseits. Davon abgeleitet sind die Bezeichnungen eines Romans von William Makepeace Thackeray, einer Verfilmung des Romans (2004) sowie eines Fernsehmehrteilers, der nach dem Roman gedreht wurde (1998).

 

c) Vanity Fair ist eine in mehreren Landesausgaben erscheinende Zeitschrift, die Artikel zu kulturellen Themen, bekannten Persönlichkeiten aus Unterhaltung und Politik sowie aktuellem Geschehen bietet. Die Publikation ging aus dem 1913 erstmals verlegten britischen Magazin Dress and Vanity Fair hervor. In den USA erscheint Vanity Fair monatlich, in Italien ist sie ein Wochenmagazin. Eine deutschsprachige Ausgabe der Vanity Fair erschien vom 7. Februar 2007 bis 19. Februar 2009.

 

 

 

 

Eröffnung: Sonntag, den 4. August 2013 um 18:00 Uhr

 

Dauer: 5. August bis 4. Oktober 2013

 

Haus der Kunst München, Westflügel